The Walking Dead: Zombies mit Geschichte

The Walking Dead: Zombies mit Geschichte

Schon wieder Zombies, dieses Mal aber ganz anders. Während ich in Dead Trigger noch die Untoten per Schießknüppel in den virtuellen Pixeltod beförderte, spiele ich dieses Mal einen Flüchtling – ohne Waffen, Ramboesken Habitus und Medipacks. In „The Walking Dead” von den Adventure-Spezialisten Telltale Games wird der Spieß gewissermaßen umgedreht: an die Stelle von purer Ballerei ohne Sinn und Verstand tritt ein feinfühliges Drama mit tiefgründigen Charakteren und einer echten Story.

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Wer Adventure hört, mag an die klassischen Spielmechaniken denken, die vor allem daraus bestehen, Gegenstände zu finden, miteinander zu kombinieren und Dialoge mittels vorgefertigter Antworten zu führen. The Walking Dead ergänzt diese Spielmechanik gekonnt um zeitsensitive und dramaturgische Kniffe. Ähnlich wie bei dem Playstation-3-Klassiker Heavy Rain greifen die Entwickler zwar auf eingeschränktes Gameplay zurück, kompensieren dieses Umstand aber mit exzellentem Storytelling und markanten, interessanten Spielfiguren.

Der Protagonist im Kampf mit einem Untoten

Der Protagonist im Kampf mit einem Untoten

Exzellente Dramaturgie

Langsamere Spielpassagen, in denen der Spieler in verschiedenen Schauplätzen nach Gegenständen sucht, miteinander verbindet und sich mit den anderen Figuren unterhält wechseln sich ab mit kurzen Actioneinlagen und dramatischen Szenen, in denen es darum geht, schnelle Entscheidungen zu treffen. Zombies fallen in einen zuvor sicheren Ort ein und der Spieler wird vor die Entscheidung gestellt, wen er in einer brenzlichen Situation rettet: Die attraktive Lady, mit der man in Gesprächssituationen zuvor bereits etwas geflirtet hat oder lieber den netten Typen an der Tür, der seit Stunden genauestens die Tür überwacht und das Zombie-Treiben auf dem Hof beobachtet – und der durch sein Geschick später womöglich sehr nützlich sein könnte. Diese Qual der Wahl erzeugt eine emotionale Bindung zu den Figuren im Spiel, so dass solche Entscheidungen gleich doppelt so schwer fallen. So habe ich mich dabei ertappt, hin- und hergerissen gewesen zu sein, habe mit mir gerungen und am Ende habe ich mich für… Nein, das verrate ich nicht. ;)

Babysitter

Einen weiteren dramaturgischer Kniff haben die Entwickler eingebaut, indem sie dem Hauptcharakter des Spiels – der als Sträfling während des Ausbruchs der Zombie-Apokalypse auf dem Weg ins Gefängnis war – ein kleines Mädchen an die Hand geben. Dieses trifft der Protagonist gleich zu Beginn der ersten Episode und ist fortan ihr Beschützer. Mit ihrem Cappie sieht das Mädchen zwar ein wenig albern aus, dafür weckt sie durch ihre Piepstimme garantiert Vatergefühle bei jedem zweiten Spieler, sprich: Ziel erreicht. Dramaturgisch ist The Walking Dead aber nicht nur auf einer emotionalen Ebene gelungen. Durch den Umstand, dass Entscheidungen im Spiel Einfluss auf den späteren Spielverlauf haben und diese insofern wirklich von Bedeutung sind, entsteht eine Art sozialer Sinn im Spiel – was den Spieler nur noch stärker ans Geschehen bindet.

The Walking Dead: Figuren mit Charakter

The Walking Dead: Figuren mit Charakter

Nächste Episode bitte

Wer also ein actiongeladenes Spiel erwartet, ist hier absolut falsch. Vielmehr lässt sich The Walking Dead als interaktive Erzählung beschreiben. Telltale Games fängt die aus den Comics bekannte Stimmung der Serie gekonnt auf und kleidet sie in ein virtuelles Gewand. Übrigens treten in dem Game nicht die gleichen Figuren wie in den Comics oder der TV-Serie auf. Zwar spielt das Videospiel-Pendant im gleichen Erzählerischen Universum und manchmal trifft der Spieler auch auf Figuren aus dem Comic – Die Hauptakteure des Games sind aber andere.

Wie von Telltale Games gewohnt, kommt auch The Walking Dead als Episoden-Content daher. Wer alle fünf Folgen auf einmal kauft, der bekommt das Paket für schlappen 15 Euro. Einzeln kosten die Episoden 3,99 Euro. Für das Durchspielen der ersten Folge habe ich rund zwei Stunden gebraucht. Setzt man als Maßstab ein klassisches Videospiel an, mag die Spieldauer recht kurz erscheinen. Vergleicht man den Titel und eine Episode aber mit einem Film oder einer Serie, ist der Preis durchaus gerechtfertigt. Kürzlich ist übrigens die zweite Episode für das iPad erschienen.

  • The Walking Dead (iPad)